* Seminar in Heilpädagogik und Sozialtherapie in Bulgarien (Bericht 3. Laufzeitjahr 2010)

Abschlussbericht der 3-jährigen Seminarausbildung 2008-2010

Ausgehend von den traurigen Verhältnissen in den bulgarischen Heimen für Kinder und Erwachsene mit einer geistigen Behinderung, einer grossen persönlichen Betroffenheit  und der Forderung der EU, für diese Heime Alternativen zu suchen, hat Edith Moor-Sozialtherapeutin in der Schweiz- im Jahre 06 eine grossangelegte Konferenz zum Thema der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie in Varna, Bulgarien organisiert.

 Es ging ihr darum den Menschen, die in diesen Berufen arbeiten, eine Alternative vorzustellen und ein neues Menschenbild zu vermitteln. Mitgewirkt haben verschiedene Vertreter aus den umliegenden Ländern, wo diese bereits realisiert ist und auch Vertreter der internationalen anthroposophischen Bewegung „ECCE“ aus Holland. Es wurde auch eine Gruppe behinderter Menschen aus Rumänien eingeladen, die zeigten wie wohl sie sich als integrierte TN fühlen konnten und durchaus fähig waren in den verschiedenen Kunst-workshops mitzumachen.

An dieser Konferenz wurde das Modell einer 3-jährigen berufsbegleitenden Seminarausbildung vorgestellt, wie sie bereits in anderen Ostländern erfolgreich durchgeführt wurde.

Ein Jahr später meldeten sich ca.100 Menschen für so ein Seminar an und für 60 von ihnen konnte ein Einführungsseminar für diese Ausbildung stattfinden.

Im Januar 08 konnte das Seminar mit 45 Menschen beginnen und ab dem zweiten Jahr haben davon 38 die Ausbildung bis am Schluss besucht.

Die Durchführung der 15 Seminarwochen wurde von Edith Moor als Projektleiterin und von Gerhard Herz in der Funktion als Ausbildungsleiter organisiert. Viel Hilfe erhielten sie dabei von Ediths bulgarischem Mann Slavi, der unzählige Materialtransporte durchgeführt und auch bei der sprachlichen Verständigung  geholfen hat. Mit der professionellen und anthroposophisch gut recherchierte Uebersetzung von Katya Belopitova und später auch noch anderen Dolmetschern, konnten viele Dozenten aus dem deutschsprachigen Raum eingeladen werden.

Die pädagogischen Grundlagen und das anthroposophische Grundwissen wurden vom Waldorflehrer Hugo Löffel(CH) und  dem anthroposophischen Arzt Traycho Frangov(BG), dem Heilpädagogen Thomas Schoch(CH) und dem Sozialtherapeuten Hartwig Ehlers(DE) vermittelt.

Der heilpädagogische Kurs wurde von der anthroposophischen Aerztin Franziska Keller (CH), der Heilpädagogin Christine Gleser (DE) und Valeriya Medvedeva(Ukraine) und die anthroposophische Psychiatrie und Psychologie von Dr.Hartwig Volbehr(DE) und Andrea Kron-Petrovic(DE) vermittelt.

Der gut 1/3 einnehmende Raum der Kunstfächer übernahmen die Musiktherapeutin Isabelle Kuster(CH), die Eurythmisten Constantin Gruia(ROU), Diana Demireva(BG und Deyan Dimitrov(BG), die Werklehrerin Käthi Jenni(CH), der Kunstmaler Fredrik Stöckli(CH), die Heilpädagogin Dorothea Schmid(DE), die Heilpädagogin Emilie Stepnickova(CH), die Kunstmalerin Mariana Nikolova(BG) und der Kunsterzieher Günther Luft(DE).

Die 15 Seminarwochen wurden an verschiedenen Orten in Bulgarien durchgeführt und jedesmal wurden Menschen von bulgarischen Institutionen eingeladen, die sich für die Rechte behinderter Menschen einsetzen um uns mit ihnen zu vernetzten. Während der 2 Sommerseminarwochen besuchten wir auch bulgarische Heime und Institutionen mit geistig behinderten Kindern und Erwachsenen- für einige SeminarteilnehmerInnen der erste direkte Kontakt mit dieser Realität. Wir zeigten dort unsere Puppentheater und kleinen künstlerischen Aufführungen und versuchten Kontakt zu Behörden und Heimleitern zu bekommen um ihre Offenheit und Möglichkeiten für unsere neuen Ideen zu überprüfen.

Eine Bedingung des Seminares war es auch, mindestens 3 Wochen im Ausland in einer anthropischen Einrichtung für Heilpädagogik oder Sozialtherapie ein Praktikum zu machen. Dafür konnten wir die Zusage von vielen Einrichtungen in der Schweiz, Deutschland, Rumänien, Griechenland, Ukraine, Oesterreich und Belgien erhalten. Bereits die ersten Praktikaberichte haben zu einer grossen Begeisterung geführt, sodass nach Seminarabschluss 35 der TN ein Praktika im Ausland gemacht und dafür einige auch die fremde Sprache gelernt haben. Für die Meisten war es der erste Auslandaufenthalt und hat viel zu einer neuen Sicht auf die sozialen Verhältnisse in Bulgarien beigetragen.

Nachdem im ersten Jahr bereits eine pädagogische Jahresarbeit abgeliefert wurde, musste im letzten Jahr eine Diplomarbeit mit einer eigenständigen praktischen Forschungsaufgabe erfüllt werden. Diese erfolgreiche Arbeit, das erfüllte Praktikum und die erforderlichen Rahmenbedingungen des Seminares haben an der Diplomfeier für gut 3/4 der TN zu einem erfolreichen Zertifikat gereicht und für die anderen zu einer Bestätigung der Seminarteilnahme an den wesentlichen Teilen. Unterschrieben wurde das Zertifikat außer von den Seminarverantwortlichen auch von Rüdiger Grimm, der damit die Mitgliedschaft dieser Ausbildung im internationalen Ausbildungskreis für anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie bestätigt hat.

Für die Zukunft des Seminars gibt es eine sehr gute Perspektive. Die seit etwa einem Jahr bestehende Zusammenarbeit mit der Neuen Bulgarischen Universität NBU wird einerseits den Teilnehmenden ermöglichen auch ein bulgarisches Zertifikat zu bekommen und andererseits zu einer Weiterführung des Seminares im Rahmen der NBU führen.

Diese ist sehr daran interessiert, anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie, sowie Waldorfpädagogik in ihr Universitätsprogramm aufzunehmen, weil sie auch die damit zusammenhängende Idee eines autonomen Bildungs- und Sozialwesens fördern möchte.

Unter den Seminarteilnehmenden haben sich innerhalb der 6 regionalen Arbeits- gruppen verschiedene Initiativen entwickelt. So ist eine Freizeitgruppe und eine Tagesstätte  für behinderte Erwachsene, eine Nachschul-Betreuung und das Projekt eines integrierten Kindergartens und einer Waldorfschule entstanden. Es bestehen auch viele Ideen und Ansätze für eine erste sozialtherapeutische Einrichtung, die von verschiedenen TN mitverfolgt wird. Unterschätzen darf man aber nicht, dass in traditionellen Hilfsschulen und Tageszentren jetzt vieles was gelernt wurde bereits umgesetzt wird und eine Heimleiterin sich mit  Erfolg für die soziale Integration ihrer Schützlinge einsetzt und Werkstätten für die Kinder eingerichtet hat.

Als weitere Folge des Seminares wurde u.a. auch der heilpädagogische Kurs von R.Steiner ins Bulgarische übersetzt und zuletzt mit Hilfe der anthroposophischen Gesellschaft in BG  als Buch herausgegeben. Es besteht eine grosse bulgarische Literaturliste über alle unsere Vorträge und übersetzten Texte und wir hoffen, dass auch bald finanzielle Hilfe gefunden werden kann, um das Kompendium der anthrop. HP und ST noch vollständig ins Bulgarische übersetzen und drucken zu lassen, da es ein wertvolles zusammenfassendes Lehrbuch für die kommenden Lehrgänge wäre.

Das Seminar ist vollständig durch Spenden finanziert (ein bulgarischer Lehrer oder Sozialarbeiter verdient doch gerade mal ca. 250 Euro im Monat). Deshalb sind wir für das Vertrauen der Spender außerordentlich dankbar. Die Verbindung zu diesen Menschen und Institutionen ist in erster Linie dem Verein ACACIA - Fonds für Entwicklungszusammenarbeit - zu verdanken, der mit uns die Kontakte zu den Stiftungen und den privaten Spendern geknüpft, die Spenden verwaltet und über Jules Ackermann jederzeit ermutigend und unterstützend auf die Seminarentwicklung eingewirkt hat.

Unser herzlichster Dank geht deshalb an :

ACACIA-Basel, Stiftung Software AG-Darmstadt, Mahle Stiftung, Iona-Stichting-NL, Evidenzgesellschaft Dornach, Gemeinschaftsbank Basel, Internationaler womensclub Sofia, Stiftung zur Beförderung der HP und ST-NL, Zukunftsstiftung, Artabana-Stiftung, Verein zur Förderung der anthrop. Medizin, Bank Hermes-OE, und den vielen privaten Spendern und Spenderinnen (über 100 Spenden)

Mit dem Seminarmotto dieser 3 Jahre möchten wir diesen Bericht abschliessen und nochmals allen danken, die dabei unterstützend mitgeholfen haben.

Im Namen aller SeminarteilnehmerInnen, aber v.a. auch der seelenpflegebedürftigen Menschen Bulgariens

 

Edith Moor-Vasilev (Projektverantwortung)

Gerhard Herz (Ausbildungsleiter)

ACACIA, Basel (Trägerorganisation

Website: www.oporabg.com

 

Heilsam ist nur, wenn

Im Spiegel der Menschenseele

Sich bildet die ganze Gemeinschaft

Und in der Gemeinschaft

Lebet der Einzelseele Kraft. 

 

Weitere Spenden gesucht:

Weil sowohl für die volle Finanzierung des Seminars, als auch die beginnenden Initiativen noch Mittel fehlen, werden weitere Spenden benötigt:

Spendenkonto ACACIA, Fonds für Entwicklungszusammenarbeit:

Freie Gemeinschaftsbank, 4001 Basel

Konto ACACIA 2.488.0  Clearing 8392 und PC 40-963-0 für Überweisungen aus der Schweiz

IBAN CH13 0839 2000 0000 2488 0  BIC RAIFCJ22XXX für Überweisungen aus dem Ausland

Projektvermerk Heilpädagogik/ Bulgarien